Der Diamantenmarkt befindet sich 2026 in einem tiefgreifenden Wandel. Während Naturdiamanten weiterhin als besonders wertvolle und langlebige Luxusgüter gelten, haben sich im Labor gezüchtete Diamanten, sogenannte Lab-Grown Diamonds, in kurzer Zeit zu einer wichtigen Alternative entwickelt. Besonders der deutlich niedrigere Verkaufspreis macht sie für preisbewusste Käufer attraktiv.
Gleichzeitig beeinflusst der stark gestiegene Goldpreis den Schmuckmarkt. Goldschmuck ist 2026 deutlich teurer geworden, während die verkauften Goldmengen zurückgehen. Das verändert auch die Preispositionierung von Diamantschmuck.
Naturdiamanten vs. Zuchtdiamanten: Verkaufszahlen 2026
Eine einheitliche weltweite Verkaufsstatistik, die alle Natur- und Lab-Grown-Diamanten nach Stückzahl erfasst, existiert derzeit nicht. Für den wichtigen US-Markt liegen jedoch aktuelle Daten vor.
| Kennzahl 2025/2026 | Naturdiamanten | Lab-Grown-Diamanten |
|---|---|---|
| Anteil am Wert der Verkäufe unabhängiger Juweliere 2025 | 85 % | 15 % |
| Durchschnittlicher Kaufpreis 2025, USA | ca. 4.063 US-$ | ca. 2.786 US-$ |
| Anteil an neuen Verlobungsringen 2026, Jan.–Jun. | ca. 49 % | ca. 51 % |
| Preisentwicklung | stabiler bzw. teilweise steigend | weiter fallend |
| Hauptargument | Natürlichkeit, Seltenheit, Wertigkeit | Preis, Größe, modernes Preis-Leistungs-Verhältnis |
Die Zahlen verdeutlichen einen wichtigen Unterschied: Nach Verkaufswert dominieren Naturdiamanten weiterhin deutlich, während Lab-Grown-Diamanten bei der Stückzahl beziehungsweise bei bestimmten Schmuckkategorien bereits sehr stark vertreten sind.
Eine Untersuchung von BriteCo kommt für die USA im ersten Halbjahr 2026 sogar auf einen Anteil von rund 51 % Lab-Grown bei neu erfassten Verlobungsringen. Bei Naturdiamanten lag der entsprechende Anteil bei etwa 49 %. (BriteCo)
Lab-Grown-Diamanten wachsen vor allem über den Preis
Der größte Wettbewerbsvorteil von Zuchtdiamanten ist der Preis.
Nach den von De Beers veröffentlichten US-Daten lag der durchschnittliche Kaufpreis eines Lab-Grown-Diamanten 2025 bei etwa 2.786 US-Dollar, während Käufer für einen Naturdiamanten durchschnittlich rund 4.063 US-Dollar bezahlten. Damit waren Lab-Grown-Diamanten im Durchschnitt deutlich günstiger. (De Beers Group)
Noch größer kann der Unterschied bei größeren Steinen werden. BriteCo ermittelte für 2025 bei Verlobungsringen einen Median von etwa 12.961 US-Dollar für Naturdiamanten, gegenüber lediglich rund 4.557 US-Dollar für Lab-Grown-Diamanten. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Median bei Naturdiamant-Ringen bereits bei etwa 13.660 US-Dollar. (BriteCo)
Dadurch können Käufer für dasselbe Budget einen wesentlich größeren Lab-Grown-Diamanten erwerben.
Verkaufswert: Naturdiamanten bleiben vorne
Die hohe Zahl verkaufter Lab-Grown-Diamanten darf deshalb nicht mit einer Dominanz beim Umsatz verwechselt werden.
De Beers zufolge entfielen 2025 in den USA etwa 75 % des Diamantennachfragewertes auf Naturdiamanten. Bei unabhängigen Juwelieren war der Unterschied noch größer: Dort kamen Naturdiamanten auf etwa 85 % des Verkaufswertes, Lab-Grown-Diamanten auf rund 15 %. (De Beers Group)
Das bedeutet: Lab-Grown-Diamanten gewinnen vor allem über höhere Stückzahlen und niedrigere Preise Marktanteile, während Naturdiamanten weiterhin einen wesentlich größeren Teil des Umsatzwertes generieren.
Entwicklung bei Verlobungsringen
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei Verlobungsringen.
BriteCo zufolge stieg der Anteil von Lab-Grown-Diamanten an neu erfassten Verlobungsringen in den USA von nur 5,9 % im Jahr 2019 auf 47 % im Jahr 2025. Im ersten Halbjahr 2026 wurde bereits ein Anteil von 51 % erreicht. (BriteCo)
| Jahr | Anteil Lab-Grown bei neuen Verlobungsringen |
|---|---|
| 2019 | 5,9 % |
| 2020 | 18,7 % |
| 2021 | 27,4 % |
| 2022 | 33,9 % |
| 2023 | 39,0 % |
| 2024 | 42,5 % |
| 2025 | 47,0 % |
| 2026, Jan.–Jun. | 51,0 % |
Die Entwicklung ist bemerkenswert, weil Lab-Grown-Diamanten innerhalb weniger Jahre von einem Nischenprodukt zu einer Alternative geworden sind, die bei bestimmten Schmuckkäufen bereits die Hälfte des Marktes erreicht.
Naturdiamanten profitieren vom Luxus- und Seltenheitsimage
Naturdiamanten haben jedoch einen wichtigen Vorteil: Sie werden von vielen Konsumenten weiterhin als das authentischere Luxusprodukt wahrgenommen.
Eine 2026 veröffentlichte De-Beers-Studie mit 18.500 US-amerikanischen Frauen ergab, dass 11 % Naturdiamantschmuck als begehrtestes Luxusgeschenk einstuften. Bei Lab-Grown-Diamanten waren es 8 %. Naturdiamanten lagen damit weiterhin vor synthetischen Diamanten und einfachem Goldschmuck. (De Beers Group)
Auch bei wohlhabenderen Kunden und größeren Steinen scheint die Position von Naturdiamanten stärker zu sein. Gleichzeitig konzentriert sich die Lab-Grown-Nachfrage stärker auf den preisbewussten Teil des Marktes.
Der Goldpreis als zusätzlicher Einflussfaktor
2026 kommt ein weiterer Faktor hinzu: der außergewöhnlich hohe Goldpreis.
Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von rund 4.506 US-Dollar je Feinunze. Gegenüber dem Durchschnitt des zweiten Quartals 2025 entsprach dies einem Plus von rund 37 %. (World Gold Council)
Der hohe Goldpreis hat direkte Auswirkungen auf Schmuckkäufer. Im zweiten Quartal 2026 sank die weltweite Goldnachfrage für Schmuck auf etwa 278 Tonnen, 17 % weniger als im Vorjahresquartal. Gleichzeitig stieg der Wert der weltweiten Schmucknachfrage im ersten Halbjahr auf etwa 86 Milliarden US-Dollar, 22 % mehr als im Vorjahreszeitraum. (World Gold Council)
Das ist ein klassisches Beispiel für den Unterschied zwischen Menge und Umsatzwert: Verbraucher kaufen weniger Gold, geben dafür wegen des höheren Preises aber teilweise mehr Geld aus.
Was bedeutet der hohe Goldpreis für Diamantschmuck?
Steigende Goldpreise verteuern auch Schmuckfassungen. Ein Ring mit Goldfassung kostet dadurch mehr, selbst wenn der darin eingesetzte Diamant unverändert teuer bleibt.
Das kann Lab-Grown-Diamanten zusätzlich interessant machen. Ein Käufer kann beispielsweise einen größeren Stein wählen, ohne das Gesamtbudget für den Ring übermäßig zu erhöhen.
Vereinfacht dargestellt:
| Einfluss 2026 | Naturdiamant | Lab-Grown-Diamant |
|---|---|---|
| Hoher Goldpreis | erhöht Gesamtkosten des Schmucks | erhöht ebenfalls Gesamtkosten |
| Niedriger Diamantpreis | weniger ausgeprägt | großer Vorteil |
| Größerer Stein fürs gleiche Budget | schwieriger | deutlich leichter |
| Luxus-/Seltenheitsimage | sehr stark | geringer |
| Preisbewusste Käufer | Nachteil | Vorteil |
| Wertorientierung | Naturdiamant bevorzugt | weniger geeignet |
Der Goldpreis wirkt damit nicht direkt auf den Diamantenpreis, sondern zunächst auf die Kosten des Schmuckstücks. Bei hohen Goldpreisen gewinnt die Möglichkeit, beim Diamanten Kosten einzusparen, allerdings an Bedeutung.
Gold und Diamanten konkurrieren teilweise um das Schmuckbudget
Ein weiterer Effekt ist die Konkurrenz um das verfügbare Budget der Verbraucher.
Der World Gold Council berichtet, dass die hohen Goldpreise 2026 die Schmucknachfrage in wichtigen Märkten belasteten. Gleichzeitig bleibt Gold wegen seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel attraktiv. Verbraucher können deshalb einen Teil ihres Budgets von Schmuck hin zu Goldbarren, Münzen oder leichteren Schmuckstücken verlagern. (World Gold Council)
Für Diamantschmuck entsteht dadurch ein zusätzlicher Preisdruck. Ein Lab-Grown-Diamant kann hier mit einem erheblich niedrigeren Materialpreis punkten.
Naturdiamanten zeigen 2026 erste Stabilisierung
Trotz des starken Wettbewerbs durch Lab-Grown-Diamanten ist der Markt für Naturdiamanten nicht verschwunden.
De Beers berichtet 2026 von steigenden Naturdiamant-Verkäufen bei unabhängigen US-Juwelieren. Die Verkäufe stiegen im vierten Quartal 2025 um 4 % und im ersten Quartal 2026 sogar um 9 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum. (De Beers Group)
Auch die Preise entwickelten sich zuletzt teilweise stabiler. Gleichzeitig ist jedoch Vorsicht bei der Interpretation angebracht: Ein Teil der Preisstabilisierung hängt mit einem geringeren Angebot beziehungsweise Produktionsanpassungen zusammen und nicht ausschließlich mit einer steigenden Nachfrage. (Financial Times)
Warum Lab-Grown-Diamanten weiter unter Preisdruck stehen
Die starke Ausweitung der Produktion hat bei Lab-Grown-Diamanten zu einem erheblichen Preisverfall geführt.
De Beers berichtet auch 2026 von weiter sinkenden Einzelhandelspreisen für synthetische Diamanten. Das Unternehmen erwartet, dass die zunehmende Preisdifferenz zwischen beiden Kategorien dazu beiträgt, Natur- und Lab-Grown-Diamanten als zwei unterschiedliche Produktkategorien im Bewusstsein der Verbraucher zu etablieren. (De Beers Group)
Für Verbraucher ist das zunächst attraktiv. Für Händler ist es schwieriger, weil sinkende Preise die Margen unter Druck setzen.
Verkaufszahlen 2026: Zwei unterschiedliche Märkte entstehen
Die Entwicklung deutet zunehmend darauf hin, dass sich der Markt nicht einfach zwischen „besser“ und „schlechter“ aufteilt. Stattdessen entstehen zwei unterschiedliche Produktsegmente.
Lab-Grown-Diamanten stehen vor allem für:
- günstige Preise
- größere Steine für ein bestimmtes Budget
- hohe Verfügbarkeit
- moderne und preisbewusste Kaufentscheidungen
- starkes Wachstum bei Verlobungsringen
Naturdiamanten stehen dagegen stärker für:
- natürliche Entstehung
- Seltenheit
- traditionelle Luxuswahrnehmung
- emotionale und symbolische Bedeutung
- höhere Preise
- stärkere Position im hochwertigen Segment
Damit kann ein wachsender Lab-Grown-Markt durchaus gleichzeitig mit einem stabilen Naturdiamantenmarkt existieren.
Fazit: Lab-Grown gewinnt Stückzahlen, Naturdiamanten behalten den höheren Wertanteil
Der Diamantenmarkt 2026 befindet sich in einer interessanten Übergangsphase. Lab-Grown-Diamanten gewinnen insbesondere bei Stückzahlen und Verlobungsringen schnell Marktanteile. In den USA erreichte ihr Anteil bei neuen Verlobungsringen im ersten Halbjahr 2026 laut BriteCo bereits rund 51 %. (BriteCo)
Beim Verkaufswert liegen Naturdiamanten dagegen weiterhin deutlich vorne. Bei unabhängigen US-Juwelieren entfielen 2025 rund 85 % des Diamantenumsatzes auf Naturdiamanten und 15 % auf Lab-Grown-Diamanten. (De Beers Group)
Der gleichzeitig sehr hohe Goldpreis verstärkt den Preiswettbewerb im Schmuckbereich. Goldschmuck wird teurer, während die verkauften Goldmengen sinken. Für preisbewusste Käufer kann deshalb ein günstiger Lab-Grown-Diamant eine Möglichkeit sein, trotz hoher Schmuckkosten einen größeren oder auffälligeren Ring zu kaufen.
Die zentrale Entwicklung 2026 lautet daher: Lab-Grown-Diamanten gewinnen Marktanteile über den Preis und die Stückzahl, während Naturdiamanten ihre Position als höherpreisiges Luxus- und Seltenheitsprodukt verteidigen.